Basiswissen Atlas
Der Atlas ist der oberste und damit der erste Halswirbel (C1) und gleichzeitig ein Teil des Kopfgelenks, welches er zusammen mit der Schädelbasis (C0) und dem Axis (zweiter Halswirbel / C2) bildet.
Gleichzeitig ist er der Träger des Kopfes, auf ihm lasten also tagtäglich ca. 5-6 kg Kopfgewicht, wenn wir uns in aufrechter Körperhaltung befinden.
Balanciert sich der Atlas in optimaler Gelenksposition - im Verhältnis zur Schädelunterseite - wird das Kopfgewicht symmetrisch auf die beiden Körperhälften verteilt. Die Mitte der Schädeldecke steht folglich genau über dem Zentrum der Wirbelsäule. Wie beim Bau eines Klötzchenturms, lässt sich mit Geschick zuoberst ein grösserer Baustein auflegen, wenn dieser ganz genau ausbalanciert wird. Der Turm fällt aber sofort in sich zusammen, sobald der oberste Klotz auch nur einen Millimeter aus dem Lot gerät.
Die menschliche Wirbelsäule fällt natürlich nicht sofort in sich zusammen, auch wenn der Kopf nicht mehr genau symmetrisch zum Körper ausgerichtet ist, denn sie wird ja noch durch Bänder, Sehnen und Muskulatur gehalten. Anhand des Klötzchenturm-Sinnbildes kann sich aber jeder vorstellen, was mit der Wirbelsäule geschieht:
Klinisch zeigt sich folglich das Bild einer Skoliose mit Beckenschiefstand, Schulterschiefstand und Kopfschiefstand (erkennbar an einer unterschiedlichen Höhe der Ohrläppchen).
Ist der Beckenschiefstand ausgeprägt, scheint ein Hosenbein immer kürzer als das andere zu sein. Bei einem starken Schulterschiefstand rutschen Taschen oder Rucksäcke von der tieferen Schulter stetig runter. Bei einem Kopfschiefstand passt das Brillengestell nicht so richtig auf die Ohren.
Das sind natürlich nur kosmetische Probleme, die Ihnen aber verdeutlichen sollen, was mit der Körperachse und -symmetrie bei einer Atlasfehlstellung passiert.
Die gesundheitlichen Konsequenzen sind um einiges gravierender:
Im wesentlichen existieren 3 Grundformen der Skoliose: eine C-Form, eine S-Form und eine Doppel-S-Form. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie durch eine Schieflage des 5 bis 6 kg schweren Kopfes verursacht werden, wie auf den Bildern unten gut erkennbar ist. Befindet sich der Atlas jedoch in gerader Stellung, sind Kopf und Körper im Lot.
Ein schiefer Atlas bringt also die Körpersymmetrie aus dem Lot, aber sie hat auch noch weitere negative Konsequenzen:
Die Durchtrittspforten für Blutgefässe und Nervenstränge zwischen Schädelinnenseite und -aussenseite können durch den schiefliegenden Atlas eingeengt werden.
Die wichtigsten Blutgefässe, die vom Atlas unmittelbar eingeengt werden können, sind:
Die Folgen davon sind Durchblutungsstörungen des Kopfes und der Sinnesorgane. Dadurch können Kopfschmerzen, Migräne, Seh- und Hörstörungen entstehen. Lesen Sie unter Beschwerden, wie sich eine Atlasfehlstellung ausserdem negativ auswirken kann.
Die wichtigsten Nervenbahnen, die vom Atlas eingeengt werden können, sind:
Eine Verengung des Spinalkanals kann zu einer Nackenversteifung, Nacken- und Schulterschmerzen, Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in den Armen und Händen, etc. führen.
Eine schiefe Atlasposition kann zudem weitere Beschwerden durch das automatische Übertragen der Fehlstellung auf die nachfolgenden Wirbel verursachen.
Von besonderem Interesse sind dabei der zweite und dritte Spinalnerv, da eine Atlasfehlstellung zwangsläufig den zweiten Halswirbel (C2) als Teil des Kopfgelenks in Mitleidenschaft zieht. Oftmals findet sich zudem eine starke Fehlrotation und Blockierung des dritten Halswirbels (C3). Die obersten drei Halswirbel bilden zusammen eine Art Symbiose und müssen stets zusammen betrachtet und therapiert werden um ein stabiles Ergebnis zu erhalten.
Das bedeutet, dass eine Reihe weiterer Nervenbahnen durch die Atlasfehlstellung in Mitleidenschaft gezogen werden kann, was wiederum negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden hätte.
Das Halsgeflecht (Plexus cervicalis) ist davon besonders betroffen, da es die ersten vier Spinalnerven verbindet, welche sich zu folgenden Nerven vereinen:
Grundsätzlich können alle Spinalnerven der Halswirbelsäule, der Brustwirbelsäule und der Lendenwirbelsäule eine Störung aufweisen, die ursprünglich durch eine Fehlstellung des Atlas ausgelöst wurde! Dadurch können sich vielfältige funktionale gesundheitliche Störungen ohne medizinisch feststellbare Ursache entwickeln.
Mit anderen Worten: Sie sind krank und niemand weiss warum.
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